Eines der bekanntesten Merkmale der Tempelritter ist ihre große Streitmacht. Sie galten als tapfere Kämpfer, die furchtlos in den Krieg zogen und ihr Banner, die Beauseant, niemals fallen ließen. Tatsächlich aber war es ihre bedeutende materielle Stärke, die die Tempelritter im Mittelalter zu einem so bekannten christlichen Orden machte und sie zu einer wirtschaftlichen Macht werden ließ.
Der Orden entstand im 12. Jahrhundert im Tempel Salomos in Jerusalem, um christliche Händler aus dem Nahen Osten zu schützen. Innerhalb von zwei Jahrhunderten konnte er sich bis nach Europa ausdehnen und großen Reichtum erlangen. In gewisser Weise waren sie Vorreiter des modernen Bankwesens, wie wir es heute kennen.
Sie betrieben ein riesiges Unternehmen, das zu einem Handelsimperium führte. Sie waren Experten in der Landwirtschaft und besaßen Ländereien von Irland bis zu den Kreuzfahrerstaaten. Außerdem besaßen sie Schiffscharter in großen Städten. Ihre Hingabe an spirituelle Belange war ebenso stark wie ihr Ehrgeiz, ihr Geschäft auszubauen. Ihr Finanzwesen war so ausgefeilt, dass es jedem heutigen Unternehmen Konkurrenz machen könnte. Schon bald entwickelten sie sich zu einem europaweit tätigen Finanzdienstleistungsunternehmen.
In Frankreich beispielsweise vergab der Orden im 13. Jahrhundert große Teile der Staatskasse an Subunternehmer. Dazu gehörte die Buchführung für den König und seine Familie sowie die Bezahlung von Beamten in ihrem Namen. Sie boten dem Papst ihre Dienste an, indem sie die Steuern der Kreuzfahrer von den Kirchen in Ungarn, England, Frankreich, Spanien und Italien eintrieben.
Mit wachsendem Reichtum dehnte sich der Orden in ganz Europa aus und war in mehreren Ländern wirtschaftlich präsent. Als mächtige religiöse Institution unterstanden sie keiner Obrigkeit. Zudem waren sie in einigen Ländern von der Steuer befreit.
Das Bankensystem der Tempelritter ermöglichte ihnen eine enorme finanzielle Macht und Kontrolle in ganz Europa und inspirierte das moderne Finanzwesen.
